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Agrarischen Bildung

Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft der Landjugendverbände Rheinland-Pfalz/Saar

 

1.     Der Zukunfts- und Wettbewerbsfaktor Ausbildung

Die agrarische Bildung stellt für die Arbeitsgemeinschaft der Landjugendverbände Rheinland-Pfalz/Saar (nachfolgend Landjugend) ein äußerst wichtiges Thema dar. Im Allgemeinen  sieht sie die agrarische Ausbildung auf einem guten Niveau, erkennt aber auch Probleme, auf die die Landjugend mit den Forderungen in diesem Positionspapier hinweist, um die Möglichkeit für Verbesserungen zu geben.

Es gibt keine Zukunft ohne bestens ausgebildeten Nachwuchs! Junge, hoch moti-vierte und hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte sind für eine funktionie-rende, solide, einkommenssichernde und flächendeckende Land- und Weinwirt-schaft unabdingbar.

Gerade vor dem Hintergrund des sehr scharfen Wettbewerbes, der zunehmenden Überalterung, des Strukturwandels, dem extrem hohen bürokratischen Aufwand und des immensen technischen Fortschritts kommt der beruflichen Ausbildung eine Schlüsselfunktion zu, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

 

2.     Betriebliche Ausbildung und Ausbilder/innen

Die Landjugend fordert:

  • Schulabgänger/innen, die eine Ausbildung im Agrarbereich anstreben, müssen die notwendige „Ausbildungsreife“ mitbringen.
  • Die Ausbilder/innen müssen sich als ein sehr wichtiges Element der dualen Ausbildung begreifen und dieser Verantwortung auch gerecht werden.
  • Eine kontinuierliche und verpflichtende Förderung, Weiterbildung und Coaching der Ausbilder/innen, z.B. durch einen wiederkehrenden „Tag der Ausbildung“ (zwei bis dreijähriger Turnus) schärft  das Bewusstsein hierfür.
  • Die Einführung einer Evaluation der Leistung der Ausbilder/innen und eine jährliche Prämierung des/der „Ausbilders/in des Jahres“ durch LWK, Bauern- und Winzerverbände und Landjugendverbände (oder Bildungsausschuss der LWK) belohnt besondere Verdienste von Ausbildern/innen.
  • Den Abschluss eines verbindlichen Tarifvertrages für die Grünen Berufe mit einer angemessenen Vergütung der Leistungen der Auszubildenden.

 

3.     Förderung von „Soft-Skills“

Die Anforderungen beruflicher Tätigkeit sind mehr denn je von persönlichen und sozialen Kompetenzen, wie  Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Kritikfähig-keit und mündliche Ausdrucksfähigkeit geprägt. Die Landjugend fordert die zunächst modellhafte Durchführung von speziellen Trainingskursen, insbesondere zu Beginn der Ausbildung, die den Zusammenhalt und den Lernfortschritt sowie die Kommunikation in den Klassen fördert. Hier ist ein modellhaftes Angebot durch die Landjugend bei geklärter Finanzierung vorstellbar.

 

4.     Verbesserung und Anpassung der Ausbildung

Im Zuge einer Ausbildung ist es von immenser Bedeutung, unterschiedliche Betriebe kennen zu lernen. Es ist sehr sinnvoll, differenzierte Wirtschaftsweisen in unter-schiedlichen Regionen Deutschlands kennen zu lernen. Um den Auszubildenden einen problemlosen Wechsel von einer Berufsschule zu einer anderen Berufsschule zu ermöglichen, muss bundesweit ein einheitlicher Lehrplan geschaffen werden.

Deshalb fordert die Landjugend die Abschaffung des Föderalismus im landwirt-schaftlichen Bildungsbereich. Die Rahmenvorgaben vom Bund müssen in allen Bundesländern gleichermaßen umgesetzt werden, damit sich die Jugendlichen endlich „grenzenlos“ bilden können.

Die Landjugend fordert:

  • Die Auszubildenden müssen drei Jahre Fremdausbildung absolvieren. Es darf keine Ausbildung mehr im elterlichen Betrieb erfolgen.
  • Eine Stärkung des Praxisbezuges des Berufsschulunterrichtes soll durch Fachexkursionen, Fachgespräche und „Fremdreferenten“ erreicht werden.
  • Auszubildende sollten auch über den „Tellerrand“ schauen können, und es sollten ihnen auch kulturelle Angebote außerhalb der agra-rischen Ausbildung angeboten werden.
  • Die Teilnahme am Berufswettbewerb der deutschen Landjugend soll verpflichtend sein.
  • Die überbetriebliche Ausbildung in höchster Qualität (DEULA, Neumühle) soll beibehalten bleiben.
  • Ein vollständiges und qualifiziertes Lehrpersonal für umfassende Ausbildung (Minimierung des Unterrichtsausfalls) gemäß Schulgesetz (13 Wochen) muss selbstverständlich sein.
  • Die Einführung von Blockunterricht (falls noch nicht praktiziert) zur Erzielung eines nachhaltigen Bildungserfolges sollte schnellstens umgesetzt werden.
  • Durch die Einbeziehung des betrieblichen Zeugnisses und des Berichtsheftes in die Abschlussprüfung (Stichwort „gestreckte Abschlussprüfung“) würde mehr Praxisnähe hergestellt.

 

5.     Differenzierung der Ausbildung entsprechend dem Leistungsstand

Die berufliche Ausbildung in Landwirtschaft und Weinbau muss zunächst eine Grundlagenvermittlung in allen landwirtschaftlichen bzw. weinbaulichen Bereichen beinhalten. Dies gilt für die betriebliche Ausbildung als auch für den Unterricht in der Berufsschule. Es ist uns bewusst, dass sich die landwirtschaftlichen und weinbaulichen Betriebe zunehmend spezialisieren, dennoch muss  eine einseitige Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten verhindert werden. Die Möglichkeit  der Spezialisierung in der Abschlussprüfung wird unterstützt.

Um der sehr unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der Auszubildenden innerhalb einer Klasse gerecht zu werden, fordert die Landjugend in der Berufsschule ein Anreiz- und Fördersystem  mit einer  Differenzierung in A- und B-Kurse in den wichtigsten Fächern, wie z. B. Mathematik, Tierische Erzeugung und Pflanzliche Erzeugung, Kellerwirtschaft und Außenwirtschaft mit der Möglichkeit, problemlos entsprechend der Leistung zu wechseln.

Besonders leistungsschwache Schüler/innen sollten ein verpflichtendes zusätzliches Angebot über den regulären Unterricht hinaus bekommen,  um das Niveau insgesamt anzuheben. Hier sind pädagogisch besonders geschulte Lehrer/innen unabdingbar.

 

6.     Verbesserung der Kommunikation zwischen Schule, Ausbildungs-betrieb und Eltern der/des Auszubildenden

Die Landjugend fordert:

  • Die Einführung von „Elternabenden“, bei denen Ausbilder/innen, Auszubildende, Eltern und Lehrer/innen zusammen kommen.
  • Den verstärkten Einsatz von Ausbildungsberater/innen als Mittler und ausbildungsbegleitende Hilfe, die die Auszubildenden regelmäßig auf den Betrieben besuchen. Mit dem bestehenden Verhältnis der Zahl der Auszubildenden pro Ausbildungsberater/in ist dies überhaupt nicht möglich (derzeit bei Landwirt/Pferdewirt/Splitterberufe: 146 Azubis pro Berater/in, Winzer 280 Azubis pro Berater/in, Gärtner 467 Azubis pro Berater/in, Forstwirt 316 Azubis pro Berater/in).

 

7.     Fazit:

Die landwirtschaftliche Ausbildung muss das Ziel haben, für junge Menschen eine gute Basis für die spätere eigenständige Arbeit im Betrieb unter Markt- und Wettbe-werbsbedingungen zu legen. Den Auszubildenden muss bereits in der Berufsaus-bildung vermittelt werden, dass eine lebenslange Bildung notwendig ist, um beruf-lich erfolgreich zu sein. Junge Menschen sind in der Ausbildungsphase an den Wert ehrenamtlicher Arbeit heran zu führen. Ehrenamtliches Engagement kann nur funktionieren, wenn es auf Akzeptanz und Unterstützung seitens der Berufsschulen und Betriebe stößt.

Den Auszubildenden muss die Möglichkeit gegeben werden, sich in weitergehenden Bildungsmaßnahmen persönlich fortzubilden. Es ist wichtig, dass auch Betriebsleiter/innen und Ausbilder/innen Verständnis für die Notwendigkeit von Bildungsmaß-nahmen haben.  Nur, wenn in die eigene Qualifizierung ein entsprechend starker Wille und auch die notwendige Zeit investiert werden, kann eine Bildungsmaßnahme zum Erfolg führen.

 


Arbeitsgemeinschaft der Landjugendverbände Rheinland-Pfalz/Saar
Karl-Tesche-Str. 3
56073 Koblenz